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Es werden Posts vom Dezember, 2011 angezeigt.

"Normalerweise stelle ich hier die Diagnosen?!" - "Normally I identify the Diagnosis!"

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Angeboren und gewöhnt?

Manchmal werde ich gefragt: "Ist Ihre Behinderung angeboren oder erworben?" (übrigens auch von Krankenschwestern und die müssten es eigentlich besser wissen). Wenn dann meine Antwort "angeboren" lautet, kommt oft die Antwort "Na, dann sind Sie ja daran gewöhnt, dann ist es ja nicht so schlimm!"

Ich finde, das ist eine ziemlich einfältige Antwort. Sicher, es gab nie diesen Tag X, aber ich bin mir der Grenzen, die mir das Handicap auferlegt, durchaus bewusst.

Ich bin geboren in einer Zeit (in den 70ern), in der Weg eines behinderten Kindes vorbestimmt war, vorbestimmt von Sondereinrichtungen (Schule, Internat) und von Krankenhausaufenthalten, Therapien und Experten, Experten in weißen Kitteln, Psychologen, Therapeuten, Sonderpädagogen.

Mein Körper war etwas zu Behandelndes, zu Heilendes: die Haut einzucremen war Dekubitusprophylaxe, die Badewanne diente der Hautreinigung und -desinfektion und Sport gab es nur als Therapie, um möglichs…

Same Procedure... oder doch irgendwie anders

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Das muss heute einfach sein...

Mein Nachrichten-Highlight 2011

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Kobinet-Nachrichten

Berlin, 31.10.2011 ... Die Grünen machen's vor.

Die Geschichte geht weiter... der Politik-Alltag



Wird Zeit für die erste Frau im Rollstuhl, die in Berlin Politik macht, oder?! ;)

Sekt und Salutogenese - Champagne and Salutogenesis

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Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit einem gar nicht so neuen, aber doch immer noch unbekannten Konzept über das, was Gesundheit ist: Salutogenese.

Salutogenese heißt wörtlich übersetzt: Gesundheitsentwicklung.

Gesundheit wird betrachtet als Teil eines Kontinuums zwischen gesund und krank: niemand ist nur gesund oder nur krank.

Ausgangspunkt war eine von Aaron Antonowsky im Jahre 1970 entwickelte Forschungsarbeit über die unterschiedliche Anpassungsfähigkeit von Frauen an die Menopause. 1970 war das, das heißt, viele der Probandinnen um die 50 hatten auch die Nazi-Diktatur miterlebt, einige davon auch in einem der Konzentrationslager.

Das Ergebnis überraschte: 30 % aller KZ-Überlebenden wurden als gesundheitlich stabil eingeschätzt.

Was also hält Menschen trotz solcher extremer Belastung und traumatischer Erlebnisse gesund?

Antonowsky stellte bei seinen Überlegungen den Kohärenzsinn, ein Sinn für Zusammenhänge könnte man übersetzen, als Gesundheitsressource in den Mittelpunkt.

Tanten, Stopschilder und Traumberufe

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Mit dem gleichen Herzblut, mit dem ich meinen Beruf ausübe, bin ich Tante von drei Kindern zwischen 5 und 16.

Inzwischen ist es Tradition geworden, dass mindestens einmal im Jahr einer der drei Ferien in der Hauptstadt macht.

Als der Mittlere von seinem großen Bruder hörte, was der in Berlin alles erlebt hatte, wollte er unbedingt auch mal Ferien bei seiner Tante machen.

Also fragte er mich, ob er mich auch mal besuchen könne, Damals war er 5.

Ich antwortete: "Klar, du kannst mich besuchen. Aber unter einer Bedingung: du musst auf mich hören."

Ich erklärte ihm, dass es in der großen Stadt viele Autos gäbe. Und dass ich ihm mal eben nicht hinterher rennen und am Straßenrand festhalten könne, wenn er losrennt. "Wenn ich Stop sage, dann hörst du auf mich und nicht erst 5 Minuten später, wenn du schon unterm Auto liegst."

"Also", schloss ich ab, "du musst auf mich hören."

Er überlegte kurz: "Immer?"

"Ja, immer."

"Dann muss i…

Ein Anfang - First Step

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Quelle

Eigentlich wollte ich heute was über unser Gesundheitssystem schreiben, aber jetzt geht es mir doch um den in den Medien immer wieder auftauchenden Begriff der Inklusion.

Inklusion bedeutet wörtlich übersetzt Einschluss. Es ist ein Konzept für das Zusammenleben von Menschen. Soziale Inklusion ist erreicht, wenn jeder Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, seinem Alter, seinen gesundheitlichen Voraussetzungen, seinen Fähigkeiten und Begabungen, von der Gesellschaft (was auch immer man darunter verstehen mag) akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, gleichberechtigt und freiheitlich an ihr teilzuhaben.

Insofern betrifft Inklusion nicht nur behinderte Menschen, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund, Hochbegabte, Senioren usw. und sie betrifft auch nicht nur den Schulbereich, sondern alle Bereiche der Gesellschaft: Wohnen, Teilhabe an Arbeit, Kultur, Politik. Vielfalt ist - wenn Inklusion gelingt - die Normalität.

Für mich ist Inklusion ein sozialpolitisches Konzept, ein…

Weil's gerade passt: Urlaubsreisen

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In Anbetracht der bevorstehenden Urlaubstage und der Urlaubsreisen des Herrn W. eine kleine Anekdote aus meiner 1,30-Perspektive:

Wer in meinem "Damit, trotzdem und manchmal gerade deshalb" die lateinischen Begriffe verstanden hat, der weiß, dass ich mit einem Wasserkopf lebe. Deshalb befindet sich in meinem Kopf und Bauch ein magnetisch verstellbares Ventil zur Regulierung des Hirndruckes im Ventrikelsystem des Hirns nebst Ableitung des Hirnwassers in das Kapillarsystem des Bauchfells.

Das hat zur Folge, dass ich z.B. an Flughäfen nicht durch den normalen Check darf, sondern immer per Hand überprüft werde. Ich war noch nicht selbst in den USA, aber hier in Europa bin ich am meisten in Amsterdam gefilzt worden.

Bei einer Reise hatte ich mal eine akkubetriebene Hochdruckluftpumpe mit (totaler Fehlkauf, denn der Akku ist grundsätzlich immer leer, wenn es der Reifen auch ist).

Was ich aber eigentlich sagen wollte, dieser Kompressor hört sich - wenn er entriegelt ist und arbeite…

Von Blindbewerbungen und Baumärkten

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Ich war am Wochenende mit einer Freundin, die blind ist, unterwegs.

Wir haben uns auf einer Weiterbildung kennengelernt: Als wir uns gegenseitig berichteten, wie jede zu ihrem Job gekommen ist, habe ich ganz umständlich erzählt, dass die Stelle nicht wirklich ausgeschrieben war, ich mich aber trotzdem beworben hatte usw. Irgendwann unterbrach sie mich: "Sag doch gleich, dass du eine Blindbewerbung geschrieben hast?!"

Für mich ist diese Freundschaft ähnlich bereichernd wie vielleicht für Fußgänger, die meine Welt kennenlernen. Irgendwann bat sie mich, mit ihr Farben kaufen zu gehen, um ihre Wohnung malern zu lassen. Ihr sollte ihr "nur" bei der Auswahl der Farben helfen und sie ihr beschreiben. Ich kam mit meinem Wortschatz wirklich an meine Grenzen! Versuchen Sie doch mal beim nächsten Baumarktbesuch, die verschiedenen Sandtöne nur mit Worten zu unterscheiden...

Die Abschlepperin

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Es geht los... es schneit.

Für mich die schwierigste Jahreszeit. Regen, Hitze, Wind - alles nicht so schlimm wie die Erfahrung, morgens um 6.30 Uhr mit den kleinen Vorderrädern 20 cm vom Auto entfernt in einer Mini-Schneewehe stecken zu bleiben. Oder wenn der Schnee zwar an die Seite geräumt wurde, aber ausgerechnet an die Bordsteinabsenkung.

Ich wohne in einer Gegend, in der Parkplätze Mangelware sind. Und obwohl es schon besser geworden ist, kommt es doch immer mal wieder vor, dass mein reservierter Parkplatz von Leuten genutzt wird, die da nicht hingehören. Nicht, dass ich nicht nachvollziehen könnte, wenn jemand mal kurz fürs Be- und Entladen halten will, aber wenn man lecker essen oder gar irgendwo übernachten will, kann ich das nicht nachvollziehen, wenn jemand auf einem reservierten Parkplatz parkt.

Die Ausreden dafür sind vielfältig: "Der Parkplatz wurde gerade nicht gebraucht." (Ich stehe auch nicht in der Feuerwehrzufahrt, mit der Begründung "Es brannte gerade…

Von Feuern und Menschenrechten

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Raul Krauthausen (auch ein Rollstuhlfahrer aus der Hauptstadt) hat in seinem Blog von den Schwierigkeiten berichtet, wenn 2 Rollstuhlnutzer gleichzeitig ein Kino besuchen wollen.

Ich hatte solche Erlebnisse auch schon - unter anderem im Tempodrom: Mit einem Freund gemeinsam, der auch im Rollstuhl sitzt, wollte ich mir die Show "Holiday on Ice" ansehen. Kaum saßen wir im Zuschauerraum, kam ein Sicherheitsbeauftragter auf uns zu: "Wer von Ihnen ist der Rollstuhlfahrer und wer der Begleiter?" Er bezog sich damit auf die (vermutete) Berechtigung, durch eine Person begleitet zu werden, die in meinem Schwerbehindertenausweis tatsächlich vermerkt ist.

Diesen Nachteilsausgleich habe ich immer als Berechtigung empfunden und ausgelegt, aber nie als Zwang, immer begleitet werden zu müssen. Für eine 24-Stunden-Begleitung (Bewachung müsste man eigentlich sagen) sind auch nirgendwo finanzielle Mittel vorgesehen...

Also antwortete ich "Das können Sie sich aussuchen!"

Mobilität, Morgenpost, Modellprojekt

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Ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesländern gehandhabt wird, aber in Berlin bietet die Arbeitsagentur auch Mobilitätstrainings an, die inklusive sind.

Ne, das war ein Scherz. Was ich damit meine, ist, dass die "Rehaberater", also Berater für Arbeitsuchende mit Behinderungen bzw. Rehabilitanden nur in bestimmten Agenturen zu finden sind, dass es sein kann, dass ausgerechnet jemand, der in der Mobilität eingeschränkt ist und in Berlin-Buch wohnt, nach Charlottenburg zur Arbeitsagentur kommen muss.

Dann stehe ich nun also vor dem Empfangstresen in der Agentur für Arbeit - in meiner 1,25m-Höhe und kann nicht drüber gucken.

Nachdem ich der Dame zugerufen hatte, sie möge doch mal bitte über ihren Tresen gucken, hatten wir auch Blickkontakt...

"Wolln Se zu Reha? Ham Se 'n Ausweis?" Ich liebe diese Fragen...

Irgendwann war ich dann auch bei meiner Vermittlerin und die wiederum schickte mich zu einem Integrationsfachdienst (IFD) wieder zurück in meinen Heimatstadtb…

Guter Tag!

Ich werde ab dem 02.01.2012 (cooles Datum) wieder eine Arbeitsstelle haben! Morgen mehr!

Was die Fernseh-Piraten von den anderen Piraten unterscheidet

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Gestern war ich zu der Weihnachtsfeier der Pankower Piraten eingeladen. Und neben Glühwein und Mate-Tee ;) gab es natürlich auch Diskussionen und gute Gespräche über: Pflegestandards, Dienstleistungen im Sozialwesen, praktische Umsetzung von Inklusion, Energiepolitik, Verwaltungsverfahren im Zusammenhang mit ALG II, Schulentwicklung - viele gute inhaltliche Ansatzpunkte zur Arbeit.

Und das ist es, was die Basis dieser neuen Partei von denen, die man oft im Fernsehen sieht, unterscheidet: hier geht es um Themen und Inhalte.

Viele Menschen sind hingegen mittlerweile unzufrieden mit dem, was die neue Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus tut. Und ich bin es auch.

Ich gehöre zu den vielen Menschen, die in der neuen Fraktion auch eine Chance sahen, die eigenen Fähigkeiten und Interessen beruflich einzubringen und sich bewarben.

Ich habe das auch getan, verbunden mit einer Initiativbewerbung als Referentin zu Fragen von Integration, Inklusion und Teilhabe.

Bis heute habe ich weder einen Ein…

Erstes Fazit

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ziehe ich ein erstes Fazit zu meinem ersten Blog:

Eigentlich habe ich damit nur angefangen, weil ich im Moment Zeit habe und es mal versuchen wollte.

Und dann war da noch so eine Mischung aus Neugier und Bedenken, was für ein Feedback ich bekommen würde: Interessiert das wirklich jemanden, was ich aus meiner 1,30m-Perspektive zu erzählen habe?

Ich habe Folgendes entdeckt:

1. Schreiben macht Spaß! Und bringt die Gedanken auf den Punkt.

2. Obwohl ich hier erst einen schriftlichen Kommentar gefunden habe, habe ich schon einige Rückmeldungen via Twitter, Facebook, Google+ oder auch mündlich erhalten:

"Willensstark", "zum Schmunzeln gebracht", "Chance, über den Tellerrand zu schauen", "mutig", "Frauenpower", "Piratenpolitik", "Prenzlberger Lokalkolorit", "ich lache trotzdem mal", "Mach weiter so!"...


Für all das bedanke ich mich!

Und es trifft ziemlich genau, wie ich…

Der arme, nein, der kranke Poet

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Liebe Leser, so fühle ich mich heute. Wir lesen uns später...

Neulich beim Friseur

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Mein Friseursalon, den ich ansonsten gern nutze, hat vor dem Eingang zwei Stufen und deshalb hab ich mir neulich die Zeit genommen, mein Lieblingsthema "Barrierefreiheit" anzusprechen. Das war die Antwort:

"Sehr geehrte Frau Pohl,

vielen Danke für Ihre Email. In erster Linie möchte ich mich bei Ihnen für die lange Zeit, die sie bei uns Kundin sind bedanken.

Durchaus kann ich Ihr Problem diesbezüglich verstehen. Doch leider ist es uns nicht möglich aus Technischer Sicht dieses umzubauen, da es mit sehr hohen Kosten verbunden ist. Zum Haare waschen können wir Ihnen den Kindersitz anbieten. Durch diesen Sitz, können sie deutlich höher sitzen und sich problemlos die Haare waschen lassen.
Gerne möchte ich Ihnen unsere weiteren Salons anbieten in der Neumannstr. 69 und in der Greifswalders.8 wo wir auf Ihre behinderungsgerechten Bedürfnisse eingehen können, da diese Salons auf einer Ebene sind bzw. eine Rampe besitzen.
Wir würden uns über einen weiteren Besuch freuen und ho…

Nicht nur im eigenen Saft - Mein Weihnachtswunsch

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Nein, das wird jetzt kein Weihnachtsbratenrezept...


Ich habe kürzlich im Aktion-Mensch-Blog gelesen:

Gülay Acar, eine in der Türkei geborene Psychologin, die im Rollstuhl sitzt, und jetzt in Deutschland lebt, berichtet darüber, wie schwer es war, einen festen Arbeitsplatz zu bekommen.

Vielleicht bin ich deshalb gerade an dem Artikel hängen geblieben, weil das auch mein größter Weihnachtswunsch wäre: ein fester Arbeitsplatz. Denn - das ist Geständnis Nummer 2 in meinem Blog: Ich bin zur Zeit auf Arbeitssuche.

Wenn Sie meinen Blog bis hier her mitgelesen, mitgedacht, mitgeschmunzelt haben, dann wissen Sie auch, was ich suche: eine interessante Tätigkeit im Bereich Bildung, Politik, Schule, Training, Coaching, Jugendarbeit, Inklusion, Übergang Schule-Berufsausbildung.

Ich kenne viele Menschen mit Behinderungen, die einen Hochschulabschluss haben und trotzdem keine Chance, sich auf dem freien Arbeitsmarkt zu beweisen und integriert zu sein. Viele von ihnen schaffen sich ihre Arbeitsplät…