Montag, 18. Januar 2021

Von Brenngläsern und Elefanten

Liebe Leserinnen und Leser, "wie unter einem Brennglas werden" während der Coronapandemie "die Benachteiligungen von Menschen mit Behinderung sichtbar und die Erfordernisse, die noch zu einer inklusiven Gesellschaft fehlen". So beginnt eine schriftliche Anfrage zur Schulbegleitung von Kindern mit seelischer, körperlicher, geistiger bzw. Sinnesbeeinträchtigung, die gleich zu Beginn diesen Jahres an den Kreistag des Landkreises Bautzen gestellt wurde und an der ich mitgearbeitet habe. Wie funktioniert Inklusion in Zeiten der Pandemie und was können wir aus der Pandemie für eine inklusive Gesellschaft ableiten? Das sind Fragen, die mich umtreiben, antreiben und die mich aktuell eher frustrieren und wütend machen. 

Beispiel Schulbegleitung - für die Insider: gesetzliche Grundlage ist § 35a SGB VIII - diese wird da mal während der Schulschließung abgelehnt aus 3 Gründen:

  • striktes Kontaktverbot (dann dürfte auch niemand mehr zum Arzt gehen oder dann müssten allen Menschen mit Pflege- oder Assistenzbedarf die Unterstützungspersonen entzogen werden)
  • weil ja die Schulen geschlossen sind (die Schulpflicht und die Beeinträchtigung besteht ja weiterhin) und
  • weil alle Eltern von schulpflichtigen Kindern gleich zu behandeln sind.
Über diesen letzten Grund hab ich mich am meisten geärgert, weil da wohl jemand Gleichbehandlung und Gleichberechtigung verwechselt und weil es in dieser Pandemie keine Gleichbehandlung gibt. Nicht beim Zugang zu FFP2-Masken, nicht beim Zugang zu Schnelltests und auch nicht beim Zugang zu den Impfzentren und den Impfungen gegen das Corona-Virus.

Stichwort Impfzentren: In meinem letzten Post habe ich darüber berichtet, welche Kriterien für  barrierefreies Arbeiten der Impfzentren ausschlaggebend sind. Und wie läuft es in der Realität im Jahr 12 nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention tatsächlich ab?

Die Turnhalle an "meiner" Schule sollte als eines von 13 Impfzentren in Sachsen eingerichtet werden. Am Freitag vor der Eröffnung führte das einzige Hinweisschild über diesen Eingang:


Am darauffolgenden Montag sind immerhin zwei Eingangspavillons da, einer an den Stufen und einer an der Stirnseite. Bis zum Pavillon an der Stirnseite führte ein Weg über einen Absatz, der ca. 7 cm hoch ist. Den komme ich nicht selbständig hoch. Weil zu dieser Zeit auch unsere Haustechniker draußen im Einsatz waren und ich zu denen einen guten Draht habe, versprechen sie, eine Rampe anzulegen:


Inzwischen sitze ich in meinem Büro und ein Techniker kommt vorbei. "Ich müsste mal Ihre Maße nehmen." "Bitte?!" "Ich will nur wissen, wie breit Ihr Rollstuhl ist." 😉 Seitdem gibt es diese Rampe. Und - man glaubt es kaum - auf ihr waren gleich am nächsten Tag fremde Reifenspuren. Es scheint also unter den über 80-Jährigen tatsächlich Menschen zu geben, die sich mit oder auf Rädern fortbewegen und die den Rollator lieber schieben als heben. #ironieoff

Auf der Website des DRK, das in Sachsen mit dem Aufbau und dem Betrieb der Impfzentren beauftragt wurde, keine Hinweise zum barrierefreien Zugang, zu barrierefreien Toiletten. Gebärdensprachvideo und Leichte Sprache? Fehlanzeige. (Denn das hier ist keine Leichte Sprache.) Also habe ich das DRK Sachsen auf diesen Mangel hingewiesen. Keine Reaktion.

Auch das DRK Bautzen, das für unseren Landkreis für den Betrieb des Impfzentrums verantwortlich ist, habe ich auf die fehlenden Informationen und Beschilderungen zur Barrierefreiheit hingewiesen. Keine Reaktion.

All das ist frustrierend und zeugt nur davon, dass die Verantwortlichen im Land und Landkreis nicht verstanden haben (oder...), dass Barrierefreiheit und Assistenzdienste die Voraussetzung für Inklusion sind und das Teilhabe sehr viel mit Beteiligung zu tun hat. 

Wer soll hier eigentlich tatsächlich geschützt werden und wer wird einfach vergessen?

Dazu passt noch folgende Anekdote zum Schluss: Mit dieser Postkarte hatte neulich ein älterer Herr, der offensichtlich auch noch eine Menge Humor hat, im Schulsekretariat nach einem Termin für die CoronaSchutzimpfung gefragt. Die Turnhalle nebenan, die als Impfzentrum fungiert, hat ja keine eigene Hausnummer.

Bildbeschreibung: Postkarte mit Zitat von Charlie Chaplin: "Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzunicken und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen." 

Liebe Leserinnen und Leser, wenn man wirklich die Älteren erreichen und niemanden vergessen will, dann braucht es mehr Möglichkeiten der Rückmeldung (z. B. auch über die Postkarten), Taxiunternehmen, um die Menschen zu den Impfzentren zu bringen und eine direkte Ansprache der zu Impfenden z. B. durch schriftliche Benachrichtigungen.
Dann würde ich den Hut ziehen. Nicht nur vor dem Elefanten.


Donnerstag, 17. Dezember 2020

Falsche Richtung oder "Ooops, they did it again."

 

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn man sich - so wie ich - mit dem Thema Inklusion beschäftigt, dann landet man oft bei folgenden Fragen:

  • Werden Menschen mit Behinderungen mitgedacht? Können sich Menschen mit Behinderung mit der Außendarstellung identifizieren?
  • Sind die Orte, Informationen und die Umgebung barrierefrei? 
  • Sind Assistenzdienste verfügbar?
  • Werden Menschen mit Behinderung tatsächlich beteiligt (oder nur informiert)?
  • Wird mit Menschen mit Behinderung gesprochen und nicht nur über sie?
  • Haben Menschen mit Behinderung tatsächlich die gleichen Rechte wie Menschen ohne Behinderung?
Probieren Sie es mal aus, wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen zu einem x-beliebigen Thema positiv beantworten können, dann sind die Anbieter auf dem Weg der Inklusion. Andernfalls eben nicht. Dann stimmt die Richtung nicht.

Das wird zum Beispiel immer dann deutlich, wenn ambulante oder selbstorganisierte, selbstbestimmte Angebote nicht die gleiche Anerkennung finden wie Angebote in Einrichtungen. Dann stimmt die Richtung nicht.

Ein Beispiel: der Zugang zu Corona-Antigen-Tests und Schutzmasken steht zwar Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Pflegediensten und Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen zur Verfügung (ob das personell immer gestemmt werden kann, ist eine andere Frage), nicht aber Menschen, die ihre Pflege oder Assistenz selbst organisieren (das ist - by the way - die weit überwiegende Mehrheit der Menschen mit Unterstützungsbedarf), auch wenn sie zur Risikogruppe gehören. Nachlesen kann man das auch bei AbilityWatch oder auch in der ÄrzteZeitung. Immer wieder sind das Erfahrungen, die Menschen mit Behinderungen, die im wörtlichen und im übertragenen Sinn mitten im Leben stehen, machen: sie werden nicht mitgedacht. They did it again, so hat es auch Constantin Grosch formuliert:

They did it again. (Jüngere) Pflegebedürftige Menschen und jene wie ich, die zwar zur hochrisikogruppe gehören, aber...

Gepostet von Constantin Grosch am Dienstag, 15. Dezember 2020
Constantin hat sich übrigens auch darüber Gedanken gemacht, wie Impfzentren barrierefrei arbeiten können und die Essenz möchte ich hier gern weitergeben, auch und gerade als Mensch mit Behinderung und nach überstandener Corona-Infektion:

Zwei-Wege-Kommunikation

Die Terminvergabe sollte nicht nur auf einem einzigen Kommunikationsweg möglich sein, sondern mindestens zwei. 

Informationsmaterial barrierefrei zugänglich

Jede*r sollte selbständig, das heißt aufgeklärt und freiwillig einer Impfung gegen das Coronavirus zustimmen. Das setzt voraus, dass Informationsmaterial in Brailleschrift und Leichter Sprache sowie für Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, angeboten wird. Und selbstverständlich sollte auch ein Gebärdensprachdolmetscher verfügbar sein.

Empathisches Personal

Der Impfstoff wird voraussichtlich erst nach zwei Impfungen wirksam sein. Um die zweite Impfung sicherzustellen, braucht es bereits bei der ersten Impfung einen reizarmen Rückzugsraum und Personal, dass sich Zeit für die Impfung nimmt und auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eingeht.

Barrierefreie Räumlichkeiten

Mobilitätseingeschränkte Menschen sollten sich unbeeinträchtigt in den Impfzentren bewegen können. Zum Beispiel sollte genügend Platz für Rollstuhlfahrer*innen und Assistenzpersonen im Behandlungsraum sein.

Einheitliche Umsetzung

Für die Umsetzung von Barrierefreiheit in den Impfzentren selbst braucht es eine bundesweit einheitliche Strategie sowie kundige, beauftragte Personen vor Ort. Die Umsetzung sollte nicht dem medizinischen Personal, welches die Impfungen verabreicht, überlassen werden.

Das wären Schritte in die richtige Richtung.

Auch im beruflichen Kontext - innerhalb der Schulsozialarbeit - mache ich immer wieder solche Erfahrungen "Falsche Richtung - they did it again." Aktuell beschäftigt mich, dass Schülern mit Beeinträchtigungen die Schulbegleitung gestrichen wird, weil "kein Schulbesuch stattfindet und es der Grundsatz der Gleichbehandlung gegenüber den anderen Eltern nicht anders zulässt."

Also: diese Aussage (des Jugendamtes) ist in mehrfacher Hinsicht falsch, weil die Schulbegleitung die Beeinträchtigung beim Lernen ausgleichen soll und diese besteht auch während der häuslichen Lernzeit weiter. Und weil in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen nicht von Gleichbehandlung, sondern von Gleichberechtigung die Rede ist. Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Und weil eine Gleichbehandlung bei ungleichen Ausgangsbedingungen letzten Endes eine Benachteiligung darstellt.

Dass diese ambulanten, inklusiven Unterstützungsformen meist die sind, die als erstes zur Diskussion gestellt werden, das ist für mich (wieder) ein Schritt in die falsche Richtung. Und zeigt einmal mehr, dass während der Pandemie wie unter einem Brennglas deutlich wird, was bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen fehlt: 



Ich wünsche mir besonders zu diesem Weihnachtsfest, dass wir als Gesellschaft endlich anfangen, in die richtige Richtung zu gehen. 

Sonntag, 25. Oktober 2020

Revolution!

 Liebe Leserinnen und Leser,

zu den Highlights in dieser Woche gehörte für mich der Podcast, den ich zusammen mit den Ergotherapeuten Michael Schiewack und Robert Striesow zum Thema Inklusion aufgenommen habe:

Bisher gab es dazu viel positives Feedback (vielen Dank dafür!) und weil wir den wirklich ohne Proben, Überspielen und Schneiden aufgenommen und ins Netz gestellt haben, will ich hier noch ein paar Links nachschicken - zum Verdeutlichen oder einfach zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema:

- Zur Frage der schulischen Inklusion in den einzelnen Bundesländern empfehle ich "Schulische Inklusion in Deutschland 2009-2017. Eine bildungsstatistische Analyse aus Anlass des 10. Jahrestags des Inkrafttretens der UN Behindertenrechtskonvention am 26. März 2019". Dort findet man auf  Seite 8 eine Übersicht, wie gut (oder eben nicht gut) es den einzelnen Bundesländern gelungen ist, die Separationsquoten, also den Anteil der Schülerinnen und Schüler außerhalb des regulären Schulsystems, zu senken. Und da sind 8 Bundesländer besser als Sachsen.

- Zur Verbindung des Nationalsozialismus mit dem System der Sonderpädagogik und dessen fehlender Aufarbeitung schlage ich zum Nachlesen diesen Artikel vor: "Behinderte Aufklärung". Darin findet man unter anderem ein Zitat von Gustav Lesemann, der lange Zeit als Vater der Sonderpädagogik galt: "Solange man sich nicht entschließen kann, zur Zwangsuntersuchung vor der Ehe, zur Sterilisierung tiefstehender Schwachsinniger zu greifen, bleibt die Erziehung so ziemlich der einzige Weg der Fruchtbarkeitsauslese." Die letzte Gustav-Lesemann-(Förder-)Schule wurde 2018 umbenannt.

- Zum Betreuungsrecht und anderen sozialpolitischen Veränderungen, die im Sinne der Inklusion jetzt notwendig sind (oder wären) verweise ich auf eine Broschüre von ambulante dienste e. V., einem Assistenzanbieter in Berlin, der einen hohen Grad an Selbstbestimmung ermöglicht: "Selbstbestimmt leben mit Persönlicher Assistenz". Im Nachwort ab Seite 62 finden Sie dort einen sozialpolitischen Ausblick im Sinne der Inklusion (und ja, die Autorin kenne ich ;)) - z. B. geht es um die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen, die Menschen mit Lernschwierigkeiten bei ihren Entscheidungen unterstützt und diese Entscheidungen nicht einfach ersetzt.

- Und weil Micha im Podcast ein paar interessante Kolleginnen und Kollegen der Ergotherapie benannt hat, tue ich das hier auch noch zum Thema Arbeit für Menschen mit Behinderung: Schauen sie ruhig mal bei stattWERKstatt vorbei, das ist eine Initiative junger Menschen mit Lernschwierigkeiten (sogenannten geistigen Behinderungen) und deren Unterstützer, die um einen Platz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kämpfen oder gekämpft haben und von ihren Erfahrungen berichten. Eine zweite Empfehlung bezieht sich auf JOBinklusive. Dieses Projekt beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Barrieren auf dem Weg zu einem inklusiven Arbeitsmarkt und deckt dabei manchen Etikettenschwindel auf.

Festung Königstein (Quelle: Sachsen Tourismus)

Gestern war ich übrigens in der Sächsischen Schweiz unterwegs und habe dabei einen Abstecher zu einem Pflegeheim gemacht, in dem ich vor meinem ersten Studium gelebt und gearbeitet habe (wenn ich im Podcast erzählt hätte. dass ich meinen 19. Geburtstag im Pflegeheim erlebt habe, hätte ich die ganze Dramaturgie ruiniert 😉). Das Pflegeheim hatte vor 30 Jahren schon 7 Stockwerke und ich war gestern gespannt, was jetzt draus geworden ist. Es heißt jetzt Seniorenzentrum und gehört zu einem privaten Pflegeanbieter mit durchschnittlich 87 Bewohnerinnen und Bewohnern pro Einrichtung. Das sächsische Seniorenzentrum liegt mit Sicherheit über dem Durchschnitt, denn es wird in allen 7 Etagen ausschließlich von alten, pflegebedürftigen Menschen genutzt. (Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn es dort einen Corona-Fall gäbe.)

Micha und Robert haben recht - wir brauchen eine Revolution für mehr Inklusion! Naja, eine breite öffentliche Debatte und ein klares Statement würden fürs erste reichen - wie wollen Sie selbst leben, wenn Sie im Alltag auf Unterstützung angewiesen wären? 

Einen schönen Sonntag wünsche ich!

Samstag, 4. Juli 2020

Helden

Liebe Leserinnen und Leser, aktuell wird immer wieder von den "Helden der Corona-Pandemie" gesprochen. Ich will mich gar nicht darüber auslassen, das einige von ihnen als Anerkennung Applaus von Balkonen, andere einmalige Prämien und wieder andere Milliardenhilfen erhalten. 

Nein, in diesem Post geht es um diejenigen Helden der Pandemie, die viel zu selten genannt werden: Kinder. 

Kinder, die sich plötzlich ihren Tag selbst strukturieren müssen. Kinder, die keinen engen Kontakt mehr zu ihren Mitschülern haben dürfen, Kinder, die zu wenig Bewegung haben. Kinder, die sich nur schlecht selbst motivieren können. Kinder, denen Erklärungen und Rückfragen fehlen. Kinder, die keinen eigenen Internetzugang haben. Kinder, die keinen Anspruch auf eine persönliche Notbetreuung haben, weil diese nur in Grund- und Förderschulen gestattet ist und die weiterführende Schule in meinem Bundesland beginnt, wenn die Kinder z.T. erst 10 oder 11 Jahre alt sind. 

Die Worte Corona, Covid, Virus als Scrabble

Als Schulsozialarbeiterin erlebe ich es aktuell täglich: Corona verstärkt die Schere zwischen den Kindern, die sich selbst gut organisieren können, die ein unterstützendes Umfeld haben und denen, die nicht über diese Ressourcen verfügen. 

Aber das allein ist zu kurz gegriffen. Unter der fehlenden Struktur, der fehlenden Aufmerksamkeit, den fehlenden sozialen Kontakten leiden nicht nur Kinder aus sogenannten "bildungsfernen" Familien oder Kinder mit anderen nicht ganz einfachen Ausgangsbedingungen, sondern tatsächlich alle Kinder. 

Schule ist eben mehr als ein Ort der Wissensvermittlung, obwohl allein schon für diese Rolle während der Pandemie auch alle Eltern zu meinen Heldinnen und Helden zählen. 

Schule ist ein Ort des Austausches, der Struktur, der Motivation, des Sich-Messens, des Rollenlernens, des Modelllernens, der Freude, des Streits, der Rückmeldungen, des Verstehens, der Vorbilder, des Miteinanders und des Voneinander-Lernens.

Die Auswirkungen des Fehlens dieser Erfahrungen sind zum Teil wirklich dramatisch - in einigen Fällen geht es tatsächlich um Leben, Lebensmut und Tod - und es wird viel Zeit und Aufwand unterschiedlichster Menschen und Professionen brauchen, um diese fehlenden Erfahrungen bestenfalls auszugleichen.

Mit diesen Erfahrungen ist es mir unverständlich, wenn ich dann solche Bilder sehe:

Menschenmengen trotz Abstandspflicht am 01. Mai 2020 in Berlin

Oder wenn ich Menschen erlebe, die meinen, es wäre eine Zumutung (oder gar Eingriff in ihre Freiheit), sich an Abstands- und Hygieneregeln zugunsten der Mitmenschen zu halten.

Ich möchte ihnen sagen: Damit wir unseren Kindern möglichst bald wieder alle Erfahrungen mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern im Lern- und Lebensort Schule ermöglichen, sollte es für uns Erwachsene doch selbstverständlich sein, noch ein paar Wochen mit den Abstands- und Hygieneregeln zu leben, oder?!

Denn: Einen zweiten Lockdown können wir Erwachsenen den kleinen Heldinnen und Helden dieser Pandemie wirklich nicht zumuten!


Mittwoch, 1. April 2020

Maßstäbe

Liebe Leserinnen und Leser,

einige von Ihnen wissen schon, dass ich mit der inflationären Nutzung des Wortes "Inklusion" so meine Schwierigkeiten habe...

Neulich ging es bei einer Veranstaltung um schulische Inklusion. Alles, was vorher "Integration" hieß, wurde nun "Inklusion" genannt. Kein Hinweis auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen, kein gesamtgesellschaftlicher Ansatz. Dann ist es eben keine Inklusion, sondern immer noch der medizinische, individuelle Blick auf diejenigen, die vermeintlich ein Problem haben. Irgendwann platzte mir (fast) der Kragen und ich bekam zur Antwort: "Wenn ich so denken würde wie Sie, könnte ich meinen Job kündigen.".

Für mich ist das keine Antwort. Behinderung und Inklusion kann für mich nur in Wechselwirkung mit der Umwelt und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gedacht werden, sonst ist es keine.

Und zu diesen Rahmenbedingungen gehört auch, wie über den Wert eines Lebens gedacht oder gesprochen wird.

In Zeiten von Corona wird das vielleicht noch deutlicher. Zunächst wurde überall von den Risikogruppen gesprochen, die besonderen Schutz verdienen - ältere und/ oder behinderte Menschen. Überzeugen konnte mich das nicht wirklich, denn es gab zunächst keine Informationen in Gebärdensprache oder in Leichter Sprache. Die Werkstätten für behinderte Menschen (allein in Sachsen sind dort 17.000 Menschen beschäftigt) sind bis heute nicht komplett geschlossen. In 8 Bundesländern werden dort weiterhin systemrelevante Tätigkeiten ausgeführt. (Kann mir mal bitte jemand erklären, wie eine Rehabilitationseinrichtung ohne Mindestlohn für die Beschäftigten systemrelevante Tätigkeiten ausführen kann?)

Den Großeltern, die nicht in Einrichtungen oder Pflegeheimen leben, wurde mal eben empfohlen, sich nicht persönlich mit ihren Enkeln oder Urenkeln zu treffen, während die Menschen, die in Einrichtungen leben, und ihre Pflege- bzw. Bezugspersonen oft mit dem Ansteckungsrisiko allein gelassen wurden.

Also: Wer wird hier tatsächlich wovor geschützt?

Heute morgen nun las ich diesen Tweet:





Da veröffentlichen mehrere medizinische Fachgesellschaften Empfehlungen, wie bei einer möglichen Knappheit an Intensivbetten im Rahmen der Corona-Pandemie entschieden werden soll, wer eine Behandlung erhalten soll und für wen die Verlegung auf die Palliativstation ausreichend ist. Unglaublich.
Als Entscheidungshilfe wird unter anderem auf die Clinical Frailty Scale verwiesen, bei der "Gebrechlichkeit" ein Kriterium ist. Das Symbolbild für "sehr gebrechlich" ist ein Mensch im Rollstuhl, der geschoben wird. Also sind alle Menschen, die einen Elektrorollstuhl nutzen, sehr gebrechlich und verdienen keine intensivmedizinische Behandlung?

Leistungsfähigkeit als Grundlage für medizinische Behandlung? Soll das wirklich der Maßstab sein?

Für mich fängt damit eugenisches Denken an. Und das ist kein Maßstab für mich (und ich hoffe, für viele andere ebenso nicht).

Zum Abschluss fällt mir dazu ein Zitat von Frau Prof. John ein, die Menschlichkeit und den Schutz der Schwächeren "in einer Welt der Machbarkeit zum wichtigsten Maßstab für eine zivilisierte Gesellschaft" erklärt.

Und jetzt schicke ich diesen Blogbeitrag an die Autoren der klinisch-"ethischen" Empfehlungen.

Sonntag, 15. März 2020

Inklusion und Infektionsrisiko

Liebe Leserinnen und Leser,
Ottmar Miles-Paul, ein Kollege aus der Behindertenrechtsbewegung, den ich schon lange kenne und schätze, schreibt in seinem Artikel "Wenn Visionen Realität werden" zu den aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus auf kobinet-nachrichten.org:


"Sie zeigen, wenn es gewollt wird, bzw. notwendig ist, sind Veränderungen möglich, die man zum Teil nicht einmal zu denken gewagt hat."

Bezogen auf die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen hat Ottmar folgende Wünsche und Fragen, die ich hier noch einmal teilen möchte:

"Kann Barrierefreiheit vielleicht wirklich mal zum Standard werden und können bestehende Barrieren gezielt abgebaut werden, weil sich mehr Menschen darüber bewusst werden, was diese für sie bewirken? … Schaffen wir es, dass an ... Aktivitäten auch diejenigen barrierefrei mitwirken können, die behinderungsbedingt oder aus finanziellen Gründen einen solchen Aufwand nicht schaffen? …
Vielleicht bietet diese Krise, die sehr viele Menschen gesundheitlich, wirtschaftlich und sozial massiv trifft, auch Chancen für eine andere Art und Weise in dieser Welt und mit anderen inklusiv und barrierefrei zusammen zu leben, zusammen zu arbeiten, zusammen die Freizeit zu verbringen, zusammen etwas zu bewegen und zusammen dafür zu sorgen, dass es uns allen besser geht?"
Ich möchte diesen Wünschen noch einen Gedanken hinzufügen: 
Vielleicht ist diese Krise auch ein Anlass dafür, darüber nachzudenken, ob die immer noch bestehenden Einrichtungen, in denen z. T. Hunderte von Menschen mit Beeinträchtigungen miteinander wohnen oder auch arbeiten und unter sich bleiben, auch aus Gründen des Infektionsrisikos nun endlich durch kleinere, familienähnliche, inklusive Einheiten in einer barrierefreien Umwelt ersetzt werden.


Seifen - Quelle: pixabay


Denn: Klar, es gibt ein Ansteckungs- und Infektionsrisiko in öffentlichen Räumen. Noch mehr gefährdet sind allerdings Menschen, die in Einrichtungen wie Pflegeheimen und Werkstätten für behinderte Menschen sowie Wohnheimen für Menschen mit Behinderung leben oder arbeiten.

Ganz konkret: 2015 gab es in Deutschland immer noch über 2200 Pflegeeinrichtungen, in denen mehr als 100 pflegebedürftige Menschen unter einem Dach lebten.

Im Bereich der Menschen mit Behinderungen stieg sowohl die Zahl der Kinder wie auch der Erwachsenen, die in stationären Einrichtungen leben, seit 2008 sogar noch an. 
In Zahlen: zwischen 2008 und 2014 stieg die Zahl der Menschen, die in stationären Wohnreinrichtungen der Eingliederungshilfe lebten, um 16 Prozent von 167.161 auf 193.770 Personen. 
Auch die Zahl der Kinder, die Eingliederungshilfe in stationären Wohneinrichtungen erhielten, stieg zwischen 2008 und 2014 um 29 Prozent auf 12.995.
Fazit: Trotz des Trends hin zum ambulanten Wohnen ist es bundesweit also nicht gelungen, Plätze in stationären Einrichtungen abzubauen.  Und in all diesen Einrichtungen ist das Infektionsrisiko ungleich höher.

Liebe Leserinnen und Leser, falls Sie also in den kommenden Tagen und Wochen verstärkt über Infektionsrisiken nachdenken - Inklusion und Barrierefreiheit senken das Infektionsrisiko.

(Dasselbe gilt übrigens auch für den Brandschutz - hier nachzulesen...)


  

Samstag, 14. Dezember 2019

Vom Mut nachzufragen - gute Vorsätze für 2020

Heute will ich nach langer Zeit wieder zu einem Thema posten, das mir sehr am Herzen liegt.

Immer wieder stelle ich mir die Frage, warum es mit der Inklusion hier in Deutschland so schleppend vorangeht.

Ein Teil der Antwort ist: Weil dafür die Grundlagen fehlen.

Nehmen wir dazu das Beispiel der Schulsozialarbeit:

In § 13 des Achten Sozialgesetzbuchs heißt es: "Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern."

Das ist Integration. Ein Mensch hat eine Beeinträchtigung, ihm muss geholfen werden, damit er sich in die Gemeinschaft integrieren kann. Keine Sozialraumorientierung, keine Umweltfaktoren, die geändert werden müssen, kein Angebot für Gemeinschaften. Das ist Integration und wird nicht einfach dadurch inklusiv, weil ich es inklusiv nenne (oder in dem Falle ein Landesamt für Schule und Bildung).

In meiner täglichen Arbeit als Schulsozialarbeiterin, die mir viel Spaß macht, versuche ich (und zum Glück nicht nur ich) einen anderen Ansatz. Viele Angebote im sozialen Lernen beginnen mit Angeboten für eine Gruppe oder Schulklasse. Wir vermeiden damit Stigmatisierungen und stecken viel mehr Aufmerksamkeit in den Umgang miteinander als in persönliche Beeinträchtigungen. Und wir haben damit Erfolg.

Beispiel Arbeitsmarkt:

Im Artikel von Anne Gersdorff (die tatsächlich mal eine meiner Schülerinnen war) in der "PC-Welt" Arbeitsmarkt: Das Problem mit den Behindertenwerkstätten sind auch Antworten auf die Frage beschrieben, warum es mit der Inklusion in diesem Bereich so wenig vorankommt:

Anne Gersdorff fasst zusammen: "Der Weg in eine Werkstatt ist somit ziemlich einfach, fast alternativlos und oft nicht freiwillig."

Das sehe ich ebenso: Auch hier fehlen grundlegende Anreize für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ein solcher falscher Anreiz ist z. B., dass diejenigen Unternehmen, die keinen Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung in ihrem eigenen Betrieb beschäftigen und stattdessen Aufträge an Werkstätten für behinderte Menschen erteilen, die Hälfte des Rechnungsbetrages von ihrer Ausgleichsabgabe abziehen können. Keinen Menschen mit Behinderung beschäftigen und dafür einen finanziellen Vorteil erhalten - da wird doch der Sinn und Zweck der Ausgleichsabgabe völlig verkehrt?!

Zweiter Teil der Antwort auf die Frage, warum Inklusion so schleppend voran geht, ist also: weil die falschen Anreize gesetzt werden.


Ein Projekt zur Inklusion am Arbeitsmarkt


Und eine dritte Antwort will ich noch geben:

Inklusion geht deshalb so schleppend voran, weil Informationen (bewusst) falsch gegeben werden und Inklusion (von einigen) politisch nicht gewollt ist.

Ich begründe das: Sachsen gilt ja als führend im deutschen Bildungssystem, ich habe dazu eine differenzierte Meinung. Vor kurzem schrieb ich einen Brief an den sächsischen Lehrerverband, der einen Artikel zum Thema Inklusion mit Erwartungen an die neue Landesregierung verfasst hatte:

  • "Ich kann mir vorstellen, was Sie meinen, wenn Sie schreiben „Sie (die UN-Behindertenrechtskonvention) kann nur schrittweise und im Zusammenwirken mit Schülern, Eltern, Lehrern, Schulträgern und dem weiteren gesellschaftlichen Umfeld erfüllt werden.“ Dennoch weise ich darauf hin, dass das Deutsche Institut für Menschenrechte, das als unabhängige Monitoringstelle die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention überwacht, zum 10-jährigen Bestehen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland zu dem Schluss kommt: „Es muss im Wesentlichen darum gehen, einer Stagnation oder gar Umkehr der Inklusionsdynamik entgegenzuwirken… Wie der vorliegende Bericht zeigt, ist in den Bereichen Wohnen und Arbeit aller Inklusionsrhetorik und allen Bemühungen zum Trotz im Bundesdurchschnitt keine deutliche Abnahme von Exklusion zu verzeichnen – bei großen regionalen Unterschieden. 2017 lebten im Bundesdurchschnitt mehr Menschen mit Behinderungen in stationären Wohneinrichtungen als 2009, auch die Zahl der Werkstattbeschäftigten hat sich stetig erhöht. Das ist besorgniserregend und steht im klaren Widerspruch zur Zielsetzung der UN-BRK. Im Bildungsbereich ist die sogenannte Exklusionsquote, die den Anteil der Schüler_innen außerhalb des allgemeinen Schulsystems erfasst, im Bundesdurchschnitt nicht nennenswert gesunken und in drei Bundesländern sogar gestiegen. Die Förderung von Schüler_innen mit Förderbedarf findet also fast unvermindert in Sondereinrichtungen statt. Auch das ist mit der UN-BRK nicht in Einklang zu bringen.“ (Quelle: Deutsches Institut für Menschenrechte 2019)
  • Besonders in Sachsen sehe ich hier Handlungsbedarf: die Exklusionsquote von 5,72% im Schuljahr 2016/2017 wird nur noch von zwei anderen Bundesländern übertroffen, in allen anderen Bundesländern ist sie niedriger. (Quelle: Aktion Mensch) Diese hohe Exklusionsquote in Sachsen setzt sich übrigens auch auf dem Arbeitsmarkt fort: Mit einer Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen von 4,1% auf dem ersten Arbeitsmarkt liegt Sachsen noch unter dem Bundesdurchschnitt (Quelle: Bundesagentur für Arbeit 2019).
  • Sie schreiben weiterhin, dass sich das Elternwahlrecht, zwischen Förderschule und inklusiver Schule zu wählen, aus Artikel 7 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ableite. Dem kann ich nicht zustimmen. Im Artikel 7 ist lediglich von dem Recht auf gleichberechtigten Genuss aller Grundfreiheiten und Menschenrechte und dem Recht auf behinderungs- und altersgerechter Partizipation die Rede. (Quelle: Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen) Zu dieser Auffassung kommt auch der Bildungsforscher Hans Wocken in seinem Beitrag „Inklusive Missverständnisse“: „Es ist durchaus legitim, weiterhin für ein Elternwahlrecht einzutreten, aber es ist unstatthaft und falsch, sich zur Begründung des Elternwahlrechts auf die Behindertenrechtskonvention zu berufen. Wer auch immer Sonderschulen wünscht und legitimieren will, möge andere Wege beschreiten als sich ausgerechnet auf die Behindertenrechtskonvention zu beziehen, die eindeutig und ohne allen Zweifel das Recht behinderter Kinder auf Inklusion als ihr persönliches Recht favorisiert und die Eltern verpflichtet, dieses Recht der Kinder treuhänderisch wahrzunehmen.“ 
Zum Jahresende 2019 will ich besonders auf die Empfehlungen von Anne Gersdorff verweisen, die Ihnen zeigen, dass auch Sie etwas tun können:
  •  Schaffen Sie Räume der Begegnung. Sprechen Sie mit Menschen mit Beeinträchtigungen, nicht über sie.
  • Wenn Ihre Firma in Werkstätten für behinderte Menschen produzieren lässt, fragen Sie nach den Arbeitsbedingungen.
  • Viele Betriebe bieten - dankenswerterweise - Praktikumsplätze für Jugendliche an. Wieso nicht einmal für Jugendliche mit Behinderungen?
Eine Elterninitiative, die gleichzeitig zeigt, wie notwendig diese Plätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sind und beweist, dass es geht und eine Win-win-Situation für alle Seiten sein kann, ist Statt Werkstatt - unbedingte Leseempfehlung!

Menschen mit so genannter geistiger Behinderung wehren sich.


Mein Weihnachts- und Neujahrswunsch an Sie, liebe Leserinnen und Leser, ist:

So, wie Sie als Kundinnen und Kunden sich bewusst für oder gegen bestimmte Einkäufe im Sinne des Tierschutzes oder der Nachhaltigkeit oder der Region entscheiden, können Sie auch entscheiden, welche Hilfesysteme Sie unterstützen wollen und welche nicht. Trauen Sie sich und fragen Sie nach!

Hier als Beispiel mein Schreiben an eine Firma, die Materialien zur Medienkompetenz entwickelt und vertreibt:


"Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Dank für die Übersendung der Unterlagen zur Vermittlung von Medienkompetenz an Schülerinnen und Schüler.

Beim Auspacken las ich den Hinweis, dass der Materialversand künftig über die NRD Werkstätten mit dem Projekt „Service inklusiv mobil vor Ort“ erfolge.

Dieser Projektname ist meines Erachtens irreführend, da es sich hier keinesfalls um inklusives  Arbeiten handelt, sondern um Aufträge an eine Werkstatt für behinderte Menschen. Damit reduziert sich Ihre Ausgleichsabgabe, die Sie für nicht besetzte Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Mitarbeitern zahlen müssten. Und Sie unterstützen damit ein System, das nicht mehr zeitgemäß ist und den Anforderungen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) nicht entspricht.

Warum? „Wir konstatieren, dass Werkstätten per se nicht inklusiv sind, weil sie nicht den ersten Arbeitsmarkt darstellen und weil in ihnen fast ausschließlich Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind. Wir teilen die Einschätzung der internationalen Expertenkommission, dass Werkstätten für behinderte Menschen eine Sonderwelt darstellen, für die mit der Ratifizierung der UN-BRK in Deutschland Maßnahmen zum „Einstieg in den Ausstieg" einzuleiten sind. Ein aussondernder Arbeitsmarkt wird nicht dadurch inklusiv, dass man parallel dazu einen zweiten für die Ausgesonderten betreibt.“ Ausführlich nachzulesen im Offenen Brief der Initiative Inklusion an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie in Zukunft diese Zusammenarbeit überdenken und sich auch im Sinne moderner Medienkompetenz für eine Zusammenarbeit mit moderneren Unterstützungsangeboten entscheiden würden, z. B. mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung oder der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen.


Freundliche Grüße

Ulrike Pohl"

Mir ist klar, dass ich allein mit zwei solcher Rückmeldungen nicht die Welt verändern werde, aber wenn viele Menschen diese Fragen stellen, dann ändert sich etwas.







Von Brenngläsern und Elefanten

Liebe Leserinnen und Leser, "wie unter einem Brennglas werden" während der Coronapandemie "die Benachteiligungen von Menschen...