Treppensteigen, Würde und Unkündbarkeit

Wie die Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen, interessiere ich mich für einen piratischen Arbeitsplatz im Bundestag und bin deshalb viel für Werbung in eigener Sache aktiv und unterwegs.

Dabei prüfe ich jedesmal vorher die baulichen Gegebenheiten und informiere Interessierte, die mich treffen wollen, auch über z. B. Entfernungen zum nächstgelegenen Bahnhof oder Haltestelle.

Gestern erreichte mich eine Einladung für eine mehrstündige Veranstaltung mit Anmeldeformular, die ich leider absagen musste, weil der Ort nicht barrierefrei ist: 25 Stufen, keine rollstuhlgerechte Toilette.

Dass dieser Ausschluss nicht böse gemeint war, weiß ich. Und Hilfsangebote, mich zu tragen, sind sicherlich auch gut gemeint. 

Ich will hier aber erklären, warum ich bei meiner Absage bleibe:
1. Eine mehrstündige Veranstaltung zu besuchen, ohne die Möglichkeit eines selbstständigen Toilettengangs - das geht nicht.
2. Diese Kandidatensendung ist eine wichtige mediale Chance, in der ich kompetent, teamfähig und des Amtes würdig erscheinen will. Sich tragen lassen zu müssen, hat nichts mit Würde und Gleichberechtigung zu tun. Es gibt nirgendwo ein Foto, wo unser derzeitiger Finanzminister in der Ausübung seines Amtes irgendwo hin getragen wird. Und das hat genau mit dieser Würde zu tun.

Für mich ist die Planung dieser Kandidatensendung ein weiterer Beweis, wie wichtig es ist, dass Menschen wie ich für Barrierefreiheit und eine inklusive Gesellschaft im Bundestag arbeiten - persönlich, authentisch und  auf allen Ebenen. Denn diese Begebenheit ist ja nur ein kleines Beispiel an Diskriminierungserfahrung, die mir in meinem Alltag, der ja (zum Glück ;) nicht nur aus Politik besteht, auch in vielen Formen und auf verschiedenen Ebenen begegnet.

Z. B. war ich heute zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, dass wegen fehlender Barrierefreiheit abgesagt wurde. Derjenige, der mir die Nachricht überbrachte, gab mir dann noch zu verstehen, dass das nicht der wahre Grund wäre, sondern Vorbehalte wegen meiner "Unkündbarkeit" (zu dieser Mär gibt es irgendwann einen anderen Blogbeitrag).

Und trotzdem gibt es Lösungen. Auch für diese Sendung: Ich werde einen eigenen Podcast machen, um für mich zu werben. Dazu gibt es schon Menschen, die mir angeboten haben, das umzusetzen. Und beruflich gab es Stellenhinweise heute via Twitter. Danke an alle dafür!

Und vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, die Sendung doch noch an einen anderen Platz zu verlegen, der auch die entsprechende Größe hat und zu finanzieren ist (mir fallen da spontan der Gemeindesaal in Moabit oder das Haus der Jugend in der Reinickendorfer Str. ein). 

So, jetzt bereite ich mich auf meine heutige Befragung im "Kinski" vor, konkrete Beispiele für meinen Einsatz im Bundestag habe ich ja genug! Und zum Schluss ein Zitat, dass ich auf der Seite der Aktion Mensch gefunden habe:











Beliebte Posts aus diesem Blog

Aufgepasst! - Bei Inklusionskampagnen und Koalitionsverträgen

Kuchen statt Krümel und Menschenrecht statt ein Stück mehr Menschlichkeit

Neues Kapitel