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Lokführer und Lametta

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Das Thema Lokführer, Triebfahrzeugführer heißen sie ganz korrekt, scheint mich nicht loszulassen.

Vor ein paar Tagen morgens beim Einsteigen in die S-Bahn meine Konversation mit dem Lokführer der Ringbahn (Berlinerinnen und Berliner wissen, das ist die, wo man morgens um 8 mehr Körperkontakt hat als einem lieb ist.):

"Können Sie mir bitte reinhelfen?"
"Nö. Fragen Se die Aufsicht."
"?!" Dieser Fahrer schien die eigenen Serviceregelungen der BVG nicht zu kennen.
"Ist außerdem eh zu voll, sehn Se ja."

Ich wende mich also an die Aufsicht und die Minuten meines Arbeitsweges verstreichen. (Meine Bahn war inzwischen auch weg.) Die Mitarbeiterin setzt nun zu einem Vortrag an, bei dem sie mir erklärt, wann die Aufsicht fürs Rampeanlegen zuständig sei und wann der Triebfahrzeugführer. Inzwischen kommt die nächste Bahn, ich lasse die Aufsicht mit ihrem Vortrag allein und bitte einen Fahrgast, mir per Hand zu helfen.

Am Nachmittag hatte ich dann noch einen …

Wer hat hier was zu sagen? Von rampenlosen Bühnen und beinlosen Lokführern

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Liebe Leserinnen und Leser, es gibt im Moment vieles, über das ich schreiben könnte - 2 Anekdoten habe ich ausgewählt:

1) In dieser Woche war ich zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der es um Inklusion und Partizipation und gute Schule ging. Thematisch gut vorbereitet - von Kinderrechten über Partizipationsprojekte bis zu Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte.

So weit, so gut.

Veranstaltungsort: der Festsaal in einer großen Einrichtung der Behindertenhilfe am Rande der Stadt.

Gleich beim Ankommen sehe ich eine Rampe aufs Podium - ca. 35% Steigung. Außer mir war auch noch eine Lehrerin eingeladen, die Rollstuhlfahrerin ist. Von ihr erfuhr ich, dass die Rampe erst während der Veranstaltung angebracht wurde, nachdem sie darauf bestand.

Perspektivwechsel

BUGA, Bahn, Betriebsausflug...

Eigentlich sollten Betriebsausflüge ja Spaß machen... Aber von vorn:

Am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen, habe ich bei einem Fachtag einen Vortrag zum Thema "Was ist die Behinderten-Rechts-Konvention?" in Leichter Sprache gehalten. Das - und das ist jetzt die ganz, ganz kurze Fassung der Geschichte - war einer der Gründe dafür, weshalb ich heute, d. h. seit dem 01. Juli 2015, Referentin für das Referat Menschen mit Behinderungen beim Paritätischen Landesverband Berlin bin. Die erste Referentin mit Behinderung seit 65 Jahren - auch das wäre einen eigenen Blogpost wert.

Und in der letzten Woche war der erste Betriebsausflug geplant - zur Bundesgartenschau BUGA nach Brandenburg/Havel. Wir trafen uns am Bahnhof Charlottenburg, um gemeinsam mit der Regionalbahn nach Brandenburg an der Havel zu fahren.

Weil ich ja weiß, dass beim Reisen nicht immer alles klappt, habe ich vorher nochmal auf die Webseite der BUGA geschaut und da liest man dann…

Etikettenschwindel oder Ich mag keine Inklusionspreise.

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Am letzten Wochenende war ich Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion auf der INKLUSIVE2015. Und mein letzter Satz war:
@Mareicares Meins war: "Für die Zukunft wünsche ich mir, dass überall da, wo Inklusion draufsteht, auch wirklich Inklusion drin ist." — Ulrike Pohl (@sunmoonstars97) 31. Mai 2015 Nach einem Beispiel für einen solchen Etikettenschwindel muss ich nicht lange suchen:

Das Land Berlin vergibt seit 2003 einen Inklusionspreis für Betriebe, die schwerbehinderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigen. In diesem Jahr ist das wieder so.

Bis vor ein paar Jahren hieß der Preis noch Integrationspreis. Dass ein bloßer Namensaustausch noch lange nicht automatisch wirklich gleichberechtigtes Miteinander bedeutet, kann man ganz gut an diesem Preis erkennen.
Schon in der Überschrift der Ausschreibung spricht der Senat von Berlin von “behindertenfreundlichen” Unternehmen, die gesucht werden. Inklusion meint aber nicht Freundlichkeit, sondern Gleichberechtigung.

Noch weniger …

Fachkräftemangel? Oder: "Ich will mehr!"

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In der letzten Woche traf ich eine Studentin, die mich so begrüßte: "Sie sind doch die Frau Pohl, die mit uns in Birkenwerder immer Bewerbungstraining und Berufsorientierung gemacht hat!"

Ich erinnerte mich...

Sie hätte nach der Integrationsschule und dem Abitur eine Ausbildung zur Bürokauffrau in einem Berufsbildungswerk gemacht. "Eine ganz andere Welt... ich wollte mehr."

Jetzt studiere sie mit Assistenz hier an der Hochschule.

(Also doch nicht alles falsch gemacht, dachte ich... und schmunzelte.)

Und dann gingen wir in Gedanken ein paar ehemalige Mitschülerinnen durch, was die jetzt so machen: "Die eine arbeitet im Zentrum Selbstbestimmt Leben, die hat sich ihren Arbeitsplatz selber geschaffen und die andere hat sich berenten lassen. Ich wurde das auch schon gefragt. Aber ich will mehr." 

Breites Grinsen... auf beiden Seiten.

Nach diesem Gespräch war ich einerseits erfreut, dass meine Arbeit wirklich Früchte getragen hat, aber auch trauri…

Realitäts-Check Inklusion

Das ist der Mitschnitt eines der Highlights meines Berufs.

Wir haben am 25. März 2015 im Berliner Abgeordnetenhaus an 4 Berliner Nachbarschaftshäuser das Signet "Realitäts-Check Inklusion" verliehen. Es bedeutet, dass sich diese 4 Häuser

das Stadtteilzentrum PankowRabenhaus e. V. in Köpenickdas Familienzentrum Finchleystr. in Lichtenrade unddie Fabrik Osloer Str. im Wedding
auf den Weg gemacht haben, einen zweiten und dritten Blick von außen auf mögliche Zugangs-, Nutzungs- und Teilhabebarrieren zu werfen und diese dann gemeinsam abzubauen.

Und ich bin ein bisschen stolz, dass wirklich das "Who's who?" der Berliner Sozialpolitik da war:

der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, der Staatssekretär für Soziales, Dirk Gerstle, der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Dr. Jürgen Schneider, die sozialpolitischen Sprecher der Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses, die Behindertenbeauftragte aus Berlin-Mitte, Hildrun Knuth, Martin Zierold, Ge…

Inklusion ist Entwicklung. Für alle Seiten.

Zum Ende unseres Projektes häufen sich die Anfragen (und ich finde das gut :-).

Deshalb habe ich dem Radio 88vier ein Interview zu Inklusion, Barrierefreiheit, Gemeinwesenarbeit, selbstbestimmtem Leben und Willkommenskultur gegeben.


Entstanden ist das Interview während der Qualifizierungsreihe "Brücken bauen für mehr Teilhabe und Inklusion" im Nachbarschaftshaus Urbanstrasse. Ausgestrahlt wird es komplett am 25. April 11:00 Uhr im "Kaleidoskop"von Radio 88vier.



Das wichtigste Wort in der Behindertenrechtskonvention ist nicht Inklusion, sondern...

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Meine Kolleginnen und Kollegen von der Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf (einer der 12 Stadtbezirke Berlins) haben mich gebeten, meine Sichtweise zum Schwerpunktthema "Inklusion", das in der Märzausgabe behandelt wird, darzustellen.

Also bitte:

Inklusion bedeutet - wörtlich übersetzt - Einschluss. Inklusiv ist eine Gesellschaft, die die gleichberechtigte Teilhabe und aktive Partizipation aller Menschen ermöglicht.

Und da beginnt dann schon das erste Missverständnis:
"Inklusion ist das wichtigste Wort in der UN-Behindertenrechtskonvention."  Nein. Inklusion ist ein Wert, ein Prinzip in der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (so heißt sie wirklich), um das zu erreichen, worum es in dieser Konvention eigentlich geht: Gleichberechtigung. Andere Werte und Prinzipien, die auch meist zu wenig mitgedacht  werden, wenn es um Inklusion geht, sind: Partizipation, Barrierefreiheit, Selbstbestimmung, Nichtdiskriminierung, angemess…