Samstag, 27. Dezember 2014

Das war´s - oder doch noch nicht? Mein 3-Jahres-Plan...

Wohin führt mein Weg 2015?
2014 geht dem Ende entgegen und auch ich überlege: War es ein gutes Jahr?

Ja, weil es mit einem neuen Arbeitsplatz startete. Und gleichzeitig nein, weil mein jetziger Arbeitsplatz, mein jetziges Projekt in einem halben Jahr zu Ende sein wird.

In den Zwanzigern und in den ersten Dreißigern finden die meisten Menschen es spannend, oft neue Projekte zu beginnen. Doch irgendwann will man ankommen und sich was aufbauen und Zukunft planen.

Aber viele Branchen wie Bildung, Forschung, Lehre, Pflege, Kunst, Kultur, Soziale Arbeit (Liste ist erweiterbar) beschäftigen Menschen über Jahre und manchmal auch über Jahrzehnte in befristeten (Teilzeit)Arbeitsverträgen.

Ein solcher Arbeitsmarkt ist schwer auszuhalten. Für alle. Aber besonders schwer, wenn zusätzliche Vermittlungshemmnisse, wie eine Behinderung oder chronische Erkrankung, die Fortführung der befristeten Arbeitsverhältnisse erschweren.

Und wenn behinderte Menschen sich auf  dem Arbeitsmarkt einen Arbeitsplatz sichern können, dann habe ich mir angewöhnt zu fragen: "Ist das ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz? Kannst du/ Können Sie davon leben?"

Im Dezember war ich von der Aktion Mensch zum Zukunftskongress INKLUSION2025 eingeladen und habe dort über die Situation behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt gesprochen.

Im Teilhabebericht der Bundesregierung aus dem Jahre 2013 findet man dazu folgende Fakten:

"Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten im Schnitt häufiger in Teilzeit und erhalten geringere Stundenlöhne als Erwerbstätige ohne Beeinträchtigungen. 

Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten häufiger als Menschen ohne Beeinträchtigungen unterhalb ihres Qualifikationsniveaus.

Menschen mit Beeinträchtigungen sind tendenziell häufiger und auch länger von Arbeitslosigkeit betroffen (25,9 Monate) als Nicht-Beeinträchtigte (15,3 Monate).

Haushalte, in denen Menschen mit Beeinträchtigungen leben, verfügen im Durchschnitt über ein geringeres Haushaltseinkommen, niedrigere Renten oder über geringere Vermögensrücklagen. Sie sind häufiger auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen."  

Wenn man dann noch weiß, dass die Hälfte aller Frauen mit Behinderung weniger als 32 Stunden in der Woche arbeiten und ab dem 49. Lebensjahr im Durchschnitt in den letzten 5 Jahren 2,5 Jahre arbeitslos waren, dann wird auch klar: Petitionen wie das "Recht auf Sparen" sind - so richtig sie auch sein mögen - für die meisten behinderten Menschen ein Luxus-Problem. Genauer gesagt: ein junges, männliches.

Ja, und weil bei mir auch schon die Vier vor dem Geburtstag steht, habe ich mich dieses Jahr schon das eine oder andere Mal gefragt: Wie lange will ich mir diesen - kaputten - Arbeitsmarkt noch antun? Sollte ich mich berenten lassen und nur noch ehrenamtlich arbeiten?

Obwohl die Situation schwierig ist, tendiere ich zu: Nein.

Dieser Arbeitsmarkt braucht dringend  Reformen, um auch nur annähernd inklusiv, gleichberechtigt und teilhabeorientiert zu werden. Unser Pflegesystem und unser Strafrecht auch.

Also ist mein (vermessener oder auch mutiger - das ist eine Frage der Perspektive) Plan für die kommenden 3 Jahre:

  • auf dem Arbeitsmarkt sozialversicherungspflichtig bleiben, 
  • politisch aktiver werden und 
  • 2017 (das ist wirklich noch ein Traum) sollte dann auf dieser Webseite mein Name stehen.
Jetzt sollte ich mich nur noch fragen: Wer möchte mich dabei unterstützen?

Ihnen und uns allen wünsche ich einen guten Plan, einen guten Weg und gute Unterstützer im neuen Jahr!

P.S. Einer davon ist jetzt schon Johannes Mairhofer, der mich für seine Reihe "Kein Widerspruch" porträtiert hat. ;)