Sonntag, 2. September 2012

Wer hält hier wen auf? Wer schützt hier wen wovor? Dangerous Minds

Ich blogge hier über Barrierefreiheit und Inklusion und manchmal denke ich, "das muss doch jetzt mal reichen". Und dann gibt es wieder Tage, an denen es mich erstaunt und auch ein bisschen entsetzt, wie Menschen, die nicht so in diesem Thema drin stecken, darüber denken.

Bei dem Treffen mit der Brandenburgischen Ministerin für Bildung forderte z.B. eine Mutter mit Vehemenz, das sie doch ein Recht habe zu wählen und ein Recht habe, ihr Kind in einem Förderzentrum unterzubringen. Ein Recht auf Aussonderung - nein, das gibt die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen nun wirklich nicht her.

Ein Lehrer forderte anschließend ein, dass er als Lehrer auch das Recht haben müsse, den Unterricht mit behinderten Kindern abzulehnen.
Lehrer lehnt Arbeit mit Kindern ab? 
Wenn eine Verkäuferin in einem Bewerbungsgespräch sagen würde, dass sie 
Kundenkontakt ablehne, würden Sie sie dann einstellen? 
Entsetzt hat mich weniger dieses schräge Berufsverständnis, sondern vielmehr, dass in der Diskussionsrunde kaum Widerstand geleistet wurde gegen diese Geisteshaltung.

Und schließlich hatte ich eine Unterhaltung mit einem Architekten, Vater von einer Tochter im Vorschulalter und progressiv, wie ich bis dahin dachte. Zunächst ging es um die Besichtigung eines Tagungsortes bezüglich Barrierefreiheit. "Da kann ich dir nicht helfen, davon verstehe ich nichts." Aha.

Anschließend kamen wir zum Thema Schule: "Ist es nicht  besser, wenn diese Kinder unter sich bleiben? Die nicht behinderten Kinder werden doch sonst aufgehalten?"

Kurze Sprachlosigkeit - bei mir.

"Was soll daran gut sein, ein Kind mit 6 oder 7 Jahren aus der Familie zu nehmen und die Woche über in ein Internat zu stecken, nur, weil es eine Behinderung hat? Ich habe es erlebt, als ich 8 war. Es ist nicht gut. Es gibt bessere Lösungen."

"Aber halten die Behinderten die anderen Kinder nicht auf?" "Also, in den zwei Jahren, in denen ich in einer 'Normalschule' war (darüber blogge ich ein anderes Mal), habe ICH meist auf die anderen gewartet, ich gehörte zu den Klassenbesten."

Sprachlosigkeit - beim Gegenüber.