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Es werden Posts vom September, 2012 angezeigt.

Goldener Herbst, Würde und Störenfriede

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Neulich sah ich eine Reportage über die Beschwerden von Anwohnern, die eine gemeindenahe Pflegeeinrichtung wegen der Geräusche der Pflegehilfsmittel als störend empfinden.

Und ich frage mich, was sind das für  Menschen, die sich ernsthaft über die Geräusche von Pflegehilfsmitteln beschweren?

Ich habe diese Woche den Film "Liebe" gesehen, ein berührender Film über eine alte Liebe auch in Zeiten der Pflege und Hilflosigkeit - auf beiden Seiten. Bis zum Ende. Vertrautheit, Hingabe, Leid, Verzweiflung, Linderung - aber immer mit Würde. So, wie wir es uns alle wünschen bis zum Ende.

Ansonsten habe ich wieder angefangen, meinen Kalender regelmäßiger zu benutzen, denn es gibt vieles, worauf ich mich im Oktober und November freue und was ich planen muss, damit es keine Überschneidungen ;) gibt:

Ich werde Lehrer fortbilden in Persönlicher Zukunftsplanung,mich zum Thema Internet und Sucht selbst fortbilden,Kiezpolitik im Stadtteilplenum machen,den Film "Home" sehen, mich mit

Kinder an die Macht!

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Gestern habe ich (wieder) in einem Beirat mitgearbeitet, der sich mit Stadtplanung beschäftigt und diesmal ging es um die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an städtebaulichen Projekten, die nach der UN-Kinderrechtskonvention Artikel 12, den §§ 1, 8, 36 und 80 des SGB VIII und nach § 5 des AG (Ausführungsgesetz) KJHG vorgeschrieben ist. Im Bezirksverwaltungsgesetz des Landes Berlin ist sie unter der „Mitwirkung der Einwohnerschaft“ in den §§ 40ff. geregelt.


Berlin-Mitte hat 2 Stellen eingerichtet für die Koordinierung der Beteiligung (eine in öffentlicher und eine in freier Trägerschaft) und 6 sogenannnte Beteiligungsbüros, die mit Schulen, Projekten und Quartiersmanagements zusammenarbeiten. Es existiert ebenso eine Kooperationsvereinbarung zwischen Jugendhilfe und Stadtentwicklung im Bezirk, die eine Bürgerbeteiligung von Kindern und Jugendlichen regelt. Erwähnenswert finde ich noch, dass Berlin-Mitte der einzige Stadtbezirk ist, in dem Kinder und Jugendliche im Jugendhilfeauss…

Ich hab noch einen Koffer in Berlin

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"Ich hab noch einen Koffer in Berlin" - mit diesem Lied, von Marlene Dietrich gesungen, beginne ich heute meinen Blogpost. 

Am vergangenen Wochenende war ich in meiner alten Heimat und bevor ich losfuhr hatte ich einen kleinen Schwatz mit dem Inhaber des neuen Restaurants um die Ecke, über das ich schon gepostet habe. Zuvor hatte ich meinen kleinen roten Koffer auf dem Bürgersteig neben meinem Pkw abgestellt, damit es mir leichter fällt, ihn in den Kofferraum zu heben.

Ich war wohl etwas unkonzentriert und bin losgefahren, mit der Überzeugung alles eingepackt zu haben.

Angekommen im heimischen Sachsen - Geschenke für die Kinder, Lippenstift, Netbook sind da, aber kein Koffer.
Nun wären die paar Klamotten zu verkraften, aber die medizinischen Utensilien, die zu meinem Alltag gehören, waren auch weg. Und ohne die kann ich nicht länger als 2 Stunden bleiben. Also habe ich am Freitag Abend noch mit Nachbarn telefoniert, und eine kleine Rundreise durch die Notfallapotheke und No…

Beichtstuhl für Bauherren und Thüringer DIN - Confessional for building site managers

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Gestern habe ich mich geärgert. Ich habe mir einen Veranstaltungsort für eine Tagung angesehen, an der ich demnächst teilnehmen will. Ein alter Gemeindesaal, der ursprünglich zu einer kirchlichen Gemeinde gehörte und jetzt als Kunstprojekt und Veranstaltungsort genutzt wird.

Stufenloser Zugang vorhanden und ja, der Beichtstuhl ist auch noch da ;)

"Haben Sie eine rollstuhlgerechte Toilette?"

"Nein."

Und er erzählt mir eine Geschichte, die wohl mein Mitgefühl und Verständnis wecken soll. Er hatte schon mal ein Kunstprojekt in einer anderen Immobilie und da hat er eine Rampe anbauen müssen und viel Geld dafür ausgegeben. Das Bauamt hätte bemängelt, dass nicht der Haupteingang für Rollstuhlfahrer benutzbar sei und die Rampe zu steil sei.
"Und dann kam nicht mal ein Rollstuhlfahrer!"

Wie steil die Rampe denn gewesen sei, will ich wissen.
"10%. Die hat eine Firma aus Thüringen gebaut. Die haben dort andere Vorgaben."
"?"
"Dort sind 1…

10 Warnsignale drohender Zufriedenheit

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Heute schreibe ich mal nur ab, nämlich von Dr. Eckardt von Hirschhausen:

Zehn Warnsignale drohender Zufriedenheit Die Neigung, spontan zu denken und zu handeln ohne Angst. Die unverkennbare Fähigkeit, jeden Moment zu genießen.Verlust des Interesses, andere zu beurteilen.Verlust des Interesses an Konflikten.Verlust des Interesses, sich selbst zu verurteilen.Verlust, der Gewohnheit, sich Sorgen zu machen.Wiederkehrende Phasen der Wertschätzung und Würdigung allen Lebens.Zufriedenmachende Gefühle der Verbundenheit mit anderen und der Natur.Die zunehmende Neigung, den Überfluss des Lebens wahrzunehmen und anzunehmen.Anfälle von herzlichem Lachen.Dass es  Ihnen egal ist, dass es 11 Warnsignale sind.
P.S. Der Quantenphysiker Niels Bohr, hatte ein Hufeisen über dem Eingang zu seinem Haus angebracht. Einmal wurde er daraufhin gefragt, ob er denn daran glaube, dass es Glück bringe.

Er antwortete: "Nein, aber es funktioniert auch, wenn man nicht daran glaubt." ;)

Piraten können auch barrierefrei!

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In der  gesamten letzten Woche habe ich mit vielen anderen gemeinsam den Parteitag der Berliner Piraten vorbereitet, bin dann auch dabei gewesen und habe mich an den Abstimmungen beteiligt.
Es war ein besonderer Parteitag.

Es war der erste, der in großen Teilen barrierefrei war. Und er war es deshalb, weil viele Menschen daran beteiligt waren. 
Dieser Parteitag war zugänglich für gehbehinderte Menschen. Wir hatten z. B. schon in der Einladung Informationen zur Barrierefreiheit der umliegenden Haltestellen und zu Parkplätzen gegeben. Gut, Luft nach oben gibt es immer, wie man an dieser rollstuhlgerechten Toilette an der Bordsteinkante sehen kann ;) Aber das konnte mit vier starken Menschen schnell behoben werden.
Es gab Kinderbetreuung, damit auch Piraten, die Eltern sind, an der Landesmitgliederversammlung (LMV) teilnehmen können.

Für blinde Menschen hatten wir die Schriftstücke in barrierefreie txt-Dateien umgewandelt.

Dieser Parteitag war zugänglich für Menschen mit Migrationshinterg…

Komfort für alle! - Comfort for all!

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Im Frühjahr habe ich das Dixielandfestival in Dresden besucht und am vergangenen Wochenende war ich auf einem Volksfest an der Panke (übrigens einer der Flüsse, deren Flussläufe durch die Berliner Mauer getrennt wurden).

Über das Dresdner Festival schrieb ich: "...und zum barrierefreien Genuss fehlten eigentlich nur noch die richtigen Kabelbrücken, diese hier:
 statt Wo soll da der Unterschied sein? Bei der gelben Kabelbrücke ist aufgrund der Kürze die Steigung zu hoch und man kommt schlechter (oder gar nicht) selbstständig drüber, die blaue ist nicht so steil und deshalb besser (und selbstständiger) zu 'überrollen'."
Genau so war es gestern auch.
Zur An- und Abreise nutzte ich die Berliner Straßenbahn: die Niederflurwagen haben wirklich einen guten Einstieg, d.h. sie haben eine fahrzeuggebundene Hubplattform, die ausgefahren wird und an der eine kleine Rampe endet, sodass es keinen Höhenunterschied mehr gibt. Und als ich einstieg, hörte ich folgenden Dialog zwischen eine…

Nordlichter und Normalität - Northern Lights and Normality

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Im Blog von Stephany Koujou geht es meistens um Legasthenie und Dyskalkulie und immer um gute Unterrichtsmaterialien, aber mitunter auch einfach um schöne Dinge. So wie heute: Nordlichter.

Mein Norwegenfoto ist zugegeben nicht ganz so schön. Es ist eine Reiseerinnerung aus dem Jahre 1994:


 Wieso fotografiert man ein Toilettenhäuschen an einem bewölkten Tag?

Als ich zum ersten Mal Anfang der Neunziger in die Niederlande fuhr, war ich enttäuscht: hier in den neuen Bundesländern gab es die ersten "West"-Autos und mit ihnen mehr Tankstellen an den Autobahnen und Raststätten und es gab die ersten rollstuhlgerechten Toiletten an diesen Raststätten, die dann auch ausgeschildert waren.

In den Niederlanden - kein einziges Schild, das auf eine solche Toilette hinwies. Und ich dachte, "die Niederlande, die gelten doch als so liberal und behindertenfreundlich und dann gibt es keine rollstuhlgerechten Toiletten?!"

Bis ich die Erklärung fand: In den Niederlanden verfügte schon …

Accessibility in Japan

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Another great example for accessibility on the other end of the world - an escalator suitable for wheelchairs in Japan!

Thank you, +Raul Krauthausen!

Wir machen den Unterschied (und treiben es manchmal auf die Spitze ;)

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Doreen Kröber, Mutter eines autistischen Kindes und Autorin eines lesenswerten Blogs über Schulpolitik in Berlin hat in ihrem letzten Beitrag darüber berichtet, dass Eltern behinderter Kinder im "Beirat für Inklusion" zu wenig in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Die Mitglieder der AG Inklusion im Landeselternausschuss fordern, gemeinsam und gleichberechtigt mit der Senatsverwaltung für Bildung, den Schulen, der Schulverwaltung und den Fraktionen im Abgeordnetenhaus ein neues Konzept zur Inklusiven Schule zu erarbeiten.

Andernfalls würde der Landeselternausschuss sich nicht weiter instrumentalisieren lassen, seine Teilnahme am Beirat für Inklusion beenden und aussteigen.

"Erschreckend fand ich vor allen Dingen, mit welchen Begründungen Eltern nicht behinderter Kinder bzw. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf den Ausstieg ablehnten. Wenn wir es auf die Spitze treiben würden, hätten sie laut UN-Konvention, überhaupt kein Mitsprache-, und Stimmrecht haben …

Fama, Ferngespräche und Frauen - Long-distance Calls and Women

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Genau vor 175 Jahren, liebe Leserinnen und Leser, stellte ein gewisser Herr Morse seinen ersten Telegrafen vor, den Morseapparat, eine der Grundlagen für elektrische Telegrafie und damit für unsere heutige Kommunikation.

Wenn Sie mal Berlin besuchen sollten, empfehle ich Ihnen das Museum für Kommunikation, in dem es unter anderem auch eine Ausstellung einer riesigen Auswahl an historischen Telefonen gibt.

Ich erinnere mich noch, dass ich mit einem meiner Neffen vor so einem Telefon stehe:

(Zugegeben, es war grau und nicht orange ;) 



und er fragt mich: "Und wie gibt man da die Nummer ein?" ;)

Auch für Schulklassen gibt es dort immer wieder interessante Ausstellungen rund um das Thema Kommunikation: Gerüchteküche, Mobbing, nonverbale Kommunikation, Massenmedien, Krieg und Medien, Wahrnehmung von Raum und Zeit bis hin zur Göttin des Gerüchts Fama oder Pheme:


Die Burg der Fama ist übrigens das Heim für Leichtgläubigkeit, Irrtum, Übermut, Geflüster und Zwietracht. So beschreibt e…

Pinocchio fährt Bus - Pinocchio travels by bus

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Hier ein erneutes Update zu meinem Post "Busfahren fürs AGH - Bühne für Exklusion": Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales im Berliner Abgeordnetenhaus hat gestern beschlossen, das "Pilotprojekt" der BVG bis Januar 2013 weiter zu führen.
Das heißt, die neuen Busse werden nur noch nach Knopfdruck durch den Fahrgast und zusätzlicher Auslösung der Kneeling-Automatik durch den Busfahrer abgesenkt (wie sehr schwer behinderte Menschen den Knopf erreichen können, bleibt weiter ungeklärt).

Gefordert wird vom Abgeordnetenhaus allerdings eine unabhängige Bewertung des Projektes verbunden mit der Auflage, bis dahin keine weiteren Busse mit Bedarfskneeling mehr anzuschaffen. Bis zum Ende des Projekts sind die Busfahrer angewiesen, auf jeden Knopfdruck der Fahrgäste von innen und außen zu reagieren.

Das Ganze war eine einzige Pinocchio-Theatervorstellung der BVG und in der Argumentation haben sie sich selbst mehrmals widersprochen.

Es geht um Geld, konkret um 2 Millionen Eur…

Inklusion - umfassend erklärt

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Inklusion, eine interessante und sehr hörenswerte Vorlesung

Mein Lieblingszitat "Ein Insekt in einem Bernstein - dann haben Sie die Inklusion am Hals." ;)

Wer hält hier wen auf? Wer schützt hier wen wovor? Dangerous Minds

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Ich blogge hier über Barrierefreiheit und Inklusion und manchmal denke ich, "das muss doch jetzt mal reichen". Und dann gibt es wieder Tage, an denen es mich erstaunt und auch ein bisschen entsetzt, wie Menschen, die nicht so in diesem Thema drin stecken, darüber denken.

Bei dem Treffen mit der Brandenburgischen Ministerin für Bildung forderte z.B. eine Mutter mit Vehemenz, das sie doch ein Recht habe zu wählen und ein Recht habe, ihr Kind in einem Förderzentrum unterzubringen. Ein Recht auf Aussonderung - nein, das gibt die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen nun wirklich nicht her.

Ein Lehrer forderte anschließend ein, dass er als Lehrer auch das Recht haben müsse, den Unterricht mit behinderten Kindern abzulehnen.
Lehrer lehnt Arbeit mit Kindern ab? Wenn eine Verkäuferin in einem Bewerbungsgespräch sagen würde, dass sie 
Kundenkontakt ablehne, würden Sie sie dann einstellen?  Entsetzt hat mich weniger dieses schräge Berufsverständnis, sondern vielmeh…