Samstag, 7. April 2012

Wer sucht, der findet... Sie stehen gerade drauf!

Meine Ostergeschichte handelt - wie sollte es anders sein - vom Suchen und Finden. 


Nein, nicht von Osternestern, sondern von Fahrstühlen. Als Psychologiestudentin im Grundstudium habe ich auch Vorlesungen in einem alten Backsteingebäude der Charité besucht - Neuroanatomie. Und wie zu vielen anderen Vorlesungen und Seminaren auch habe ich mich hochtragen lassen. Barrierefreiheit 1990. Noch heute bin ich meinen Kommilitonen dankbar, denn ohne sie wäre meine Studienzeit nicht möglich gewesen. 

Wie ich schon sagte, das Fach hieß Neuroanatomie. Und der Dozentin war ich aufgefallen (na gut, 1990 als rollstuhlfahrende Studentin war das nicht so schwer...) Bei der zweiten Vorlesung kam sie auf mich zu und sagte: "Es gibt doch einen Fahrstuhl - Sie müssen nicht getragen werden, ich sage dem Hausmeister Bescheid, dass er Sie beim nächsten Mal am Eingang abholt und zum Fahrstuhl bringt." Ich wunderte mich, weil, ich hatte in dem alten Gebäude keinen Fahrstuhl entdeckt und ich würde doch keinen Fahrstuhl übersehen?! Bei der nächsten Vorlesung begrüßte mich - wie von der Dozentin angekündigt - der Hausmeister: "Sie müssen Frau Pohl sein?!" Ich war gespannt, welchen Fahrstuhl er mir zeigen würde. Die Vorlesung für Neuroanatomie fand im Institut für Anatomie statt und der Fahrstuhl, den mir der Hausmeister stolz präsentierte, war der Fahrstuhl in den Leichenkeller... Es roch nach Formaldehyd und mir war ziemlich übel, als ich im Hörsaal ankam. Die Dozentin war stolz auf ihre gute Tat und begrüßte mich - "Na, hat alles geklappt?!?" 

Muss ich noch erwähnen, dass ich die restlichen Vorlesungen doch lieber über den Treppenaufgang besucht habe, nachdem ich meinen Kommilitonen von meinem Erlebnis berichtet hatte? ;)

2012 gibt  es nun doch die eine oder andere barrierefreie Lösung, die bemerkenswert ist: das für mich bemerkenswerteste Beispiel in Berlin ist die Hubtreppe am Eingang des Bodemuseums, da erheben sich die Steinstufen aus dem Boden, nehmen  Stufe für Stufe mit, bis man sich auf  der Ebene des Eingangs befindet - barrierefrei und optisch ansprechend und technisch ein Highlight!


Was man sich im Bodemuseum ansehen kann? Schöne alte Griechen z.B. und manchmal auch eine Oper - Mozarts Titus ;) (und ich hab nur auf die Musik geachtet)

In Dresden im Zwinger gibt es ein ähnlich beeindruckendes architektonisches Beispiel für Barrierefreiheit: einen Lift, der aus der Erde nach oben fährt. Bei meinem Besuch sah ich zwar überall die Piktogramme für Rollstuhlfahrer, aber ich wunderte mich, weil ich den Fahrstuhl nicht entdecken konnte (was mir sonst eher selten passiert). Also rief ich an der Notrufsäule an und fragte, wo denn der Lift wäre und ich ich bekam die Antwort: "Sie stehen gerade drauf?!"


Was auch immer Sie über Ostern besuchen - ich wünsche frohe Feiertage!